Tanz der Kulturen
Zum 4. Mal gelingt dem Freien Theater Studio die
Organisation eines Internationalen Tanztheaterfestival in Schwerin. "Tanz der
Kulturen - zwischen Tradition und Moderne" - lautet das Motto des diesjährigen
Festivals, das eine Brücke schlägt zwischen dem kulturellen Erbe verschiedener
Kulturen und modernen Tendenzen des Tanztheaters der Gegenwart.
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Künstler aus 20 Ländern geben einen kleinen Einblick in die bestehende Vielfalt
von künstlerischen Strömungen, die sich nur schwerlich auf einem gemeinsamen
Nenner bringen lassen. Deutlich wird auf jeden Fall die weite Verbreitung von
Tanztechniken ganz unterschiedlicher kultureller und geographischer Herkunft,
wie z.B. des amerikanischen Modern Dance, des deutschen Ausdruckstanzes und vor
allem der Ansätze von Pina Bausch, ohne die das aktuelle Tanztheater undenkbar
wäre. Mit diesem Grundlagen werden die regionalen und lokalen Traditionen
verknüpft, um die Hoffnungen und Probleme der Gegenwart
auszudrücken.
Die heute oft als Bedrohung empfundene
Globalisierung, die Grenzen und Entfernungen abschafft, Kommunikation wie nie
zuvor ermöglicht und gleichzeitig in einer Informationsflut ertränkt, das
Individuum pausenlos mit Schreckensmeldungen und Werbeslogans bombardiert...
dieselbe Globalisierung hat im Bereich des Tanztheaters eine durchaus positive
Wirkung, indem sie Künstler der unterschiedlichsten und entferntesten Kulturen
einander näher bringt. Dieser Prozess wird weiterhin unterstützt durch die
internsive Zusammenarbeit von Künstlern unterschiedlicher Kontinente, die
Verbreitung durch die Medien und die Realisierung zahlreicher
Tanztheaterdestivals Tourneen etc. Das Kennenlernen führt sichtbar zu
gegenseitiger Bereicherung und gleichzeitig zur gemeinsamen Suche nach neuen
Wegen.
Anders als in der Welt der Wissenschaft oder der normalen
Logik, der Statistik oder der Soziologie versucht das Tanztheater oft, die
Gefühle der Zuschauer sinnlich anzusprechen-ohne den Umweg über das Rationale.
Die Antworten, die das Tanztheater zu geben versucht, sind in Bilder und
Metaphern gekleidet-ahnungsvolle Abdeutungen, Herausforderungen, Provokationen,
die den Zuschauer zum eigenen Nachdenken anregen.
An der Jahrtausendwende
besinnt sich das Tanztheater auf die ursprüngliche Kraft der Bewegung, die
Energie, die spontane, direkte, natürlich fließende Bewegung ausstrahlen. Um
diese Kraft wiederzuerlangen, ist das Tanztheater bestrebt, sich von Ballast wie
technischen Einengungen oder künstlischen Kodifizierungen zu befreien. Dabei
löst es die Grenzen zu anderen Gattungen auf und verwandelt sich in eine
interdisziplinäre Kunst. Andere Genres wie z.B. Literatur, Pantomime, Film,
Video, Sprechtheater, Oper, ... werden bei Bedarf problemlos auch im Tanztheater
angewandt. Im selben Zusammenhang vollzieht sich auch eine deutliche Hinwendung
zur Individualität: Der Tänzer ist jetzt ein Individuum, genau wie im modernen
Theater ist das Individuum Dreh- und Angelpunkt des Geschehens auf der Bühne.
Tänzer und Schauspieler sind keine bloßen Werkzeuge des Choreographen oder
Regisseurs mehr, sondern werden zu Schöpfern, deren eigene Persönlichkeit,
Erfahrungswelt, Phantasie ... Ausgangspunkt der Inszenierung sind. Auch das (im
Theater) seit längerem bekannte und angewandte Konzept des "OffenenKunstwerks" ,
nach dem die Inszenierung erst in der Phantasie des Zuschauers, im Moment der
Wahrnehmung ihren Abschluss findet, hat längst auf das Tanztheater
übergegriffen.
Die internationale Entwicklung Im Bereich des Tanztheaters
hat auch bei mecklenburgischen Tanzkompanien ihre Spuren hinterlassen. Dies
zeigt sich im Rahmen des Festivals an den beiträgen der deutschen Tanzkompanie
und des Ballettensembles des staatstheaters Schwerin.
Dr. Franklin
Rodriguez Abad
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