



Wir sind empört über den fachlich falschen, gesellschaftliche Zusammenhänge primitiv vermischenden und darüber hinaus jeden Kunstinteressierten beleidigenden Artikel von Stefan Krieg in Ihrer Ausgabe vom 03. März 2004. Leider besteht der Eindruck, dass Herr Krieg über die jahrelange inhaltliche Arbeit des Theaterstudios keine Kenntnisse hat und nur einen Anlass suchte, im Zuge knapper öffentlicher Gelder eine Generalabrechnung mit zu subventionierender kultureller Arbeit in unserer Stadt zu tätigen.
Herr Krieg, einige Fragen an Sie:
Was ist daran gut, wenn weniger Geld für Kultur ausgegeben wird?
Die Stadt soll nach Ihrer Meinung durch die Streichung der Fördermittel für das Freie Theaterstudio der Gerechtigkeit einen "kleinen Schritt" näher gekommen sein. Welche Gerechtigkeit schwebt Ihnen vor?
Kultur ist Bildung und Staatsauftrag. Je vielfältiger das kulturelle Angebot in einer Stadt, desto größer ist die Lebensqualität für ihre Bewohner und Besucher. Ein Bestandteil davon war das Freie Theater Studio, wo nicht nur EVENTS, sondern auch kontinuierlich solides, qualitativ hochwertiges Theater gespielt und gelehrt wurde. Es geht hier nicht nur um die Besucherzahlen, Herr Krieg, sondern eine sehr vielfältige Arbeit, die durch die unterschiedlichsten Kurse und Veranstaltungen ein nicht finanziell messbares Stück mehr an Lebensqualität bedeutete. Nur nebenbei sei erwähnt, dass im Rahmen dieser Arbeit auch immer wieder wichtige Präventionsprojekte gegen Gewalt, Rechtsradikalismus und Drogenmissbrauch mit Kindern- und Jugendlichen durchgeführt wurden. Kultur dieser Art, Herr Krieg, wird nicht konsumiert, sondern gelebt. Und Kultur dieser Art ist weltoffen und Schwerin auch weiterhin zu wünschen - nichts anderes brachte Frau Rodriguez in ihrem Brief, den Sie hier leider falsch interpretieren, zum Ausdruck. Es geht hier also nicht um eine konsumierende und auf Kosten öffentlicher Mittel schmarotzend ihre Kulturbedürfnisse befriedigende kleine Elite anspruchsvoller Theatergänger, sondern einen kulturellen Anspruch, den das Freie Theater Studio erfüllte. Wir bedauern die Schließung sehr, denn wir selbst und die Stadt sind um dieses kulturelle Kleinod ärmer geworden.
Aber, sagen Sie, diese hochkulturellen Bedürfnisse würden zu einem nicht geringen Teil mittel- oder unmittelbar mit öffentlichen Geldern unterstützt. "%u2026Mit Steuergeldern. Mit Euros und Cent, die eigentlich in die Portemonnaies der Bürger gehören." "Oh!", sehen wir den verdutzt lesenden Bürger, "dann brauche ich eigentlich keine Steuern zahlen, da diese laut Herrn Krieg ja eigentlich in mein Portemonnaie gehören?" Herr Krieg, vielleicht versuchen Sie es mal als Steuerberater? Oder wollten Sie Ihre einseitige Sicht der Dinge deutlich machen, dass Sie weder in eine Pantomime- noch in eine Tanztheater-Vorstellung gehen würden und darum Ihre Steuern verschwendet werden? Im Zweifelsfall seien Steuern besser beim Bürger aufgehoben, so hören wir. Nun hat jeder Bürger seinen individuellen Zweifel an dem, was er für gut und richtig hält und entsprechend seiner Alters- und Lebenssituation von Seiten des Staates in Anspruch nehmen will oder muss. Sie entwerfen da ein interessantes Modell einer individuellen Besteuerung, das aber weder gerechter noch überhaupt realisierbar erscheint.
Wenn Theater und andere Kultureinrichtungen ohne Fördergelder schließen müssen, so Ihr letzter Gedankengang, dann läge dies an den knauserigen Theaterbesuchern, die ja nicht bereit sind mehr Geld für den Konsum der von Ihnen bevorzugten Art der Unterhaltung auszugeben. In der Tat, zu dieser Art von Kultureinrichtungen hätte dann nur noch ein ganz geringer Anteil der über ein beträchtliches Einkommen verfügenden Bevölkerung Zugang. Theater und Kultur werden endgültig Sache des Geldbeutels. In Zeiten eines zusammenbrechenden Arbeitsmarktes nehmen Sie den Menschen damit die letzten Möglichkeiten am Gemeinwesen teilzunehmen und soziale Kontakte außerhalb der Familie zu pflegen. Vielleicht könnte man im Pay-TV einen Theaterkanal als Äquivalent einrichten?
Wir wissen:
Kultureinrichtungen, Sport- , Jugend- und sonstige Vereine erfüllen alle wichtige gesellschaftliche Aufgaben an ihrem Platz. Damit Kultur und Bildung weiterhin allen offen steht, müssen sie gefördert bzw. subventioniert werden. Ihre Rechnung, Herr Krieg, setzt Soll und Haben gleich: Kultureinrichtungen sollen auch das erwirtschaften, was zu ihrer Aufrechterhaltung notwendig ist. Suggerieren Sie dem Bürger doch nicht, es wäre ein persönlicher Verlust, wenn mit seinen Steuern kulturelle Einrichtungen unterstützt werden und er dieses Geld doch besser in der eigenen Tasche hätte. Rechnen Sie doch andersherum lieber einmal aus, wie viel ideeller und materieller Nutzen - und sei es am Beispiel des von Ihnen exemplarisch genannten Staatstheaters, dessen Wirken allgemein im Kultur- und Bildungsbereich der Stadt Schwerin und über die Grenzen unserer Stadt hinaus für die Tourismusbranche von unschätzbarem Wert ist - sich für ein Gemeinwesen ergibt, welches sich Bildung und Kultur leistet! Gemeint sind damit keine in den Sand gesetzten Prestigeobjekte, aber notwendigerweise die finanziellen Mittel, die Kultur am Leben erhalten. Darum, Herr Krieg, wäre es sehr zu wünschen, wenn die notwendigen Steuergelder für Kulturzwecke auch in Zukunft im Interesse der weiteren Stadtentwicklung und im Interesse aller Bürger weiter zur Verfügung stehen würden!
Abschließend möchten wir unser großes Missfallen darüber zum Ausdruck bringen, dass der die sehr subjektive Meinung des Autors beinhaltende Artikel nicht als Kommentar zur Schließung des "Freien Theater Studios" bzw. als Reaktion auf den der Redaktion zugesandten sehr ausführlichen Brief von Frau Rodriguez erkennbar wurde. Herr Krieg als Mitarbeiter des "Schweriner Kuriers", einer Wochenzeitung unserer Stadt mit einer beachtlichen Auflage, sollte zunächst einer journalistischen Informationspflicht fern jeglicher vorauseilender Demagogie nachkommen. Denn erst die objektive Information ermöglicht Ihren Lesern eine Meinungsbildung. Diese sollte den Lesern aber auch überlassen werden.
Hochachtungsvoll
gez. Undine Labahn, Holger Labahn
Das ist schon eine beachtliche journalistische Leistung von Herrn Stefan Krieg: eine zweiseitige Stellungnahme zur Schließung des TIK auf einen gekürzten Halbsatz zu reduzieren und diesen dann auch noch vollinhaltlich misszuverstehen: Alle Achtung, Herr Krieg! Vielleicht eine kleine notwendige Nachhilfe in Sachen deutsche Sprache: Wenn jemand etwas hinterlässt, heißt dies, dass dieses etwas noch da ist- wenn auch ohne den, der es hinterlassen hat- tut mir echt leid, dass ich mich für Sie so schwer verständlich ausgedrückt habe.
Kein Blick für Relationen - Stefan Krieg favorisiert Förderstopp für alle Kultureinrichtungen
Und was das von mir erwähnte "kleine, aber anspruchsvolle Theaterpublikum" betrifft- da war ich möglicherweise etwas zu bescheiden: Viele Tausende von erwachsenen Theaterinteressierten, Schulklassen, Kindergartenkindern und Senioren (nicht nur -wie Sie meinen-: eine abgehobene kleine Elite) haben unsere Veranstaltungen besucht, Hunderte haben für wenig Geld Grundlagen der Schauspielkunst, der Pantomime, des Tanztheaters ...erlernt, sich mit -seinerzeit für Schwerin- neuartigen Richtungen wie Salsa, Merengue, Tango, Orientalischem Tanz, Gospelmusik, Tai Chii, Quigong... beschäftigt, viele haben an eigenen Inszenierungen z. T. von uns selbst übersetzter Stücke mitgewirkt oder sind später selbst Schauspieler geworden. Es gab zahlreiche Veranstaltungen gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit, Straßenaktionen und insgesamt 10 Internationale Pantomime- und Tanztheaterfestivals, die über Kontinente hinweg für Schwerin geworben haben. 3000 Schweriner unterstützten seinerzeit mit ihrer Unterschrift unsere Forderung nach Erhalt des Hauses der Kultur und seiner Umwandlung in ein weltoffenes Haus der Kulturen- das alles geschah mit vergleichsweise geringen Fördermitteln und einem einzigen festangestellten Mitarbeiter. (weitere Informationen: www.freies-theater.de). "Klein" war unser Theaterpublikum selbstverständlich im Verhältnis zu großen Einrichtungen wie dem Staatstheater- schließlich hatten wir ja auch nicht mehrere 100, sondern 70-80 Plätze, nicht Millionen von Fördermitteln, sondern beispielsweise 15.000 Euro im Jahre 2003 von der Stadt- dies entspricht einer "Belastung" von ca. 0,15 Euro pro Einwohner Schwerins und Jahr- angesichts solcher Einsparmöglichkeiten geraten Sie ins Schwärmen und schlagen quasi in einem Rundumschlag den Förderstopp für sämtliche kulturellen Einrichtungen vor. Vielleicht können die Bürger der Stadt ja noch 2 Euro mehr im Jahr sparen, wenn wir sämtliche Jugendclubs schließen! Fantastisch! Ganz zu schweigen von den Gewinnen, wenn wir auch noch die restlichen geförderten kulturellen Einrichtungen schließen. Tut mir leid, Herr Krieg- da hat ihre volkstümelnde Argumentation einen kleinen Haken: Einsparungen in Kultur- und Jugendarbeit führen doch nicht zu Steuersenkungen für die Bürger, sondern bestenfalls zu ein paar wenig raumgreifenden Stichen am Rand des Haushaltsloches!
Pantomime und Tanztheater - entartete Kunst?
Richtig auf den Plan gerufen aber hat Sie die Formulierung "künstlerisch anspruchsvoll"- das sei ja nun ganz verwerflich, geht aus Ihrem Artikel hervor. Beim Lesen ihrer demagogischen Argumentation glaubte ich mich an Diskussionnen um entartete Kunst erinnert. "Die wenigsten von ihnen (damit meinen Sie offensichtlich die Schweriner) würden sich jemals in eine Pantomime-Vorstellung oder ins Tanztheater setzen." Dass die Schweriner in Ihrer Masse so extreme Kulturbanausen sind, wie Sie meinen, konnte ich nicht beobachten. Manch einer hat auch einfach nicht so viel Zeit und Geld für Kultur. Schlimm genug, dass Kultureinrichtungen aufgrund ständig sinkender Fördermittel gezwungen sind, für Veranstaltungen, die eigentlich der Bildung der Bevölkerung dienen, immer höhere Eintrittsgelder zu verlangen. Dass S i e sich nicht in eine anspruchsvolle Kulturveranstaltung setzen würden, glaube ich dagegen unumwunden- schließlich waren Sie meines Wissens die ganzen Jahre über ja nicht bei einer einzigen unserer Aufführungen- daher können Sie unsere Arbeit ja auch nun so hervorragend beurteilen.
Demagogisch: Kulturvernichtung für mehr soziale Gerechtigkeit Der Gipfel der Argumentation des Herrn Krieg aber ist, dass er die Schließung von Kultureinrichtungen, "sofern sie dem Bürger direkt zugute kommen" (Herr Krieg denkt dabei offensichtlich an Steuereinsparungen) für einen Ausdruck von Gerechtigkeit hält. Er vergisst dabei vollends, dass sie erstens sowieso nicht zu Steuersenkungen führen und zweitens zahlreiche viel unangenehmere Folgen für die Bürger haben würde: Schwerin ohne geförderte Jugend- und Kultureinrichtungen: d. h. man kann in seiner Freizeit außer Schaufenstergucken und Fernsehen quasi nichts mehr tun. Kultur gibt's nur noch a la card für die ganz dicken Geldbeutel. (Da diese in Schwerin sehr selten sind, kann man die Künstler dann gleich in die eigene Villa bestellen- Ausdruck von sozialer Gerechtigkeit?) Bürgersteige können also ganzjährlich hochgeklappt bleiben. Jugendliche werden sich andere Formen der Unterhaltung suchen, die vielleicht nicht jedem Bürger gefallen. Touristen werden nicht mehr kommen wollen- geschweige denn, dass größere Wirtschaftsunternehmen oder gar Hochschulen auch nur den Anflug von Lust verspüren könnten, sich hier künftig mal anzusiedeln. Kaum Hoffnung für die Arbeitslosen. Das Schlimmste aber: Wer auch nur einen Funken Verstand hat, verlässt die schlafende Stadt- Leute wie Stefan Krieg wären dann unter sich. Vielleicht wäre es ja ein echter Zugewinn für den ständig schmaler werdenden Schweriner Kurier, wenn S. K. sich lieber mit der Akquise von Anoncen beschäftigte, da er so ein großes Verständnis für ökonomische Zusammenhänge besitzt, und die Kultur denen überließet, die zumindest ein bißchen Ahnung davon haben.
Ulrike Rodríguez.
Sehr geehrte Frau Rodríguez,
gern hätten wir Ihren Leserbrief abgedruckt, leider ist er aber, wie bereits erwähnt, zu lang. Wenn Sie ihn um etwa zwei Drittel kürzen (ich weiß, das wird schwierig), können wir ihn sicher in der nächsten Ausgabe unterbringen, zumindest würden wir dies gern tun, wenn der Platz reicht. Das vorweg. Dies ist aber nicht der Hauptgrund, warum ich Ihnen schreibe.
Also:
Zunächst möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen. Dafür, dass ich, vermutlich zumindest, auf Ihren Gefühlen herumgetrampelt habe. Es war nicht nett, Sie als Stichwortgeber zu missbrauchen für einen Beitrag, den ich in der einen oder anderen Form sowieso schon mal zu Papier bringen wollte. Denn eigentlich ging es mir in dem Artikel ja gar nicht vordergründig um das TIK. Das Ende Ihres Vereins war für mich nur der Anlass. Ich würde nicht nochmal so vorgehen * was allerdings nichts an der Grundaussage ändert, um die es mir eigentlich ging. Offensichtlich wurde ich jedoch * das zeigen auch die Leserbriefe, die wir bekommen haben * in weiten Teilen missverstanden (dazu gleich mehr).
Übrigens haben Sie Recht mit Ihren Erläuterungen zu dem Begriff *hinterlassen", so ein Fauxpas" passiert mir äußerst selten. Aber auch in der richtig verstandenen Version scheint mir die Rolle des (Ex-)Vereins doch etwas übertrieben dargestellt. Dass Sie Ihren Beitrag zu Schwerins Weltoffenheit leisteten (und vielleicht in anderer Form weiter leisten werden), will ich allerdings nicht in Abrede stellen.
Grundsätzlich trete ich für Markt auch im Kulturbetrieb ein, das war der Leitgedanke meiner Ausführungen.
Ich habe überhaupt nichts gegen Salsa, Merengue und so weiter. Und selbst wenn, gäben mir meine persönlichen Abneigungen nicht das Recht, anderen Menschen ihre Lieblingsbeschäftigungen zu untersagen. Im Umkehrschluss sollten aber politische Entscheidungsträger auch nicht das Recht haben zu bestimmen, welche Kultur fördernswert ist und welche nicht. Die Hallen in Schwerin sind voll, wenn volkstümliche Weisen dargeboten werden * und das obwohl die Karten dafür ziemlich teuer sind. Ich persönlich kann dieser Art von Musik nichts abgewinnen. Gleiches gilt für die kulturellen Beiträge, welche Dieter Bohlen und Co. abliefern, und für viele große internationale Rock- und Pop-Stars. Aber man muss es einfach akzeptieren, dass die meisten Menschen dafür ihr Geld ausgeben und nicht für beispielsweise künstlerisch hochwertiges Tanztheater oder Pantomime.
Damit wären wir auch schon beim nächsten Punkt. Dass ich *künstlerisch Anspruchsvolles" für verwerflich halte, geht aus meinem Artikel nicht hervor. (Es ist überhaupt erstaunlich, was einige Leserbriefschreiber mir alles andichten.) Genauso wenig maße ich mir an, Ihre Arbeit zu beurteilen. (Sie haben Recht, ich bin nur ein einziges Mal bei einer Ihrer Vorstellungen gewesen. Es handelte sich dabei um den Auftritt von Satori, den ich übrigens sehr beeindruckend fand. Das nur am Rande.) Sie sagen, meine *demagogische Argumentation" würde Sie an die Diskussionen um *entartete Kunst" erinnern. Damit rücken Sie mich in die Nähe von Nationalsozialisten, also diesen Verbrechern, welche es zur perversen Perfektion gebracht haben, zu urteilen, welche Kunst gut für das deutsche Volk ist und welche nicht. Darüber sollten Sie nochmal gründlich nachdenken. Ich hingegen will, dass Kunst grundsätzlich frei ist * das heißt eben auch, dass es keine Bevorzugungen geben darf.
Die 15.000 Euro, die Sie im vergangenen Jahr an Fördergeldern erhalten haben, sind freilich läppisch. Sie selber rechnen aber vor, dass die Belastung für jeden Schweriner demzufolge 15 Cent betragen hat. Für den rein theoretischen Fall, dass jeder Landeshauptstädter Ihre Vorstellungen besucht hätte, hätten Sie also lediglich Ihre Preise im Schnitt um diesen geringen Beitrag erhöhen können * und schon kämen Sie ohne Fördergelder aus. Nehmen wir aber mal den realistischen Fall, in dem die 3.000 Unterstützer das TIK besucht hätten (egal ob Kurs oder Vorstellung), kämen wir im Schnitt auf fünf Euro pro Person und Jahr mehr. Das Rechenexempel ließe sich so fortführen. Spielerei. Was ich damit sagen will: Wenn es doch so eine große Nachfrage gegeben hätte, müsste sich das TIK allein tragen. Oder aber es besteht nur eine vergleichsweise kleine Personengruppe, die sich für Ihre Angebote interessiert hat * und der Markt gibt einfach nicht mehr her.
Sie sagen, dass Einsparungen ohnehin nicht zu Steuersenkungen führen. Ich dachte bei meinen Vorschlägen übrigens nicht lokal begrenzt, die Summen wären einfach zu mickrig, als dass es sich großartig darüber zu debattieren lohnte. Aber bundesweit käme bei einer Liberalisierung des Kulturbetriebes der eine oder andere Euro mehr zusammen, den es zu sparen gilt. Dass es auf die deutsche Gesamtbevölkerung gerechnet dann doch nicht gar so viel ist, steht auf einem anderen Blatt. Es geht aber ums Prinzip. Ich sage es nochmal: Mehr Markt! Das gilt für viele andere Bereiche, wo noch viel mehr Steuergelder verschleudert werden, vielleicht sogar noch eher, aber das Thema war in meinem Artikel nunmal Kunst und Kultur. (Die Eigenheimzulage wurde an anderer Stelle unserer Zeitung beispielsweise auch schon kritisch beleuchtet.) Zudem vergessen Sie, dass der Staat in der nächsten Zeit einfach weniger Geld ausgeben kann. Ach ja: Sie behaupten, Kultur gäbe es ohne Förderung *nur noch á la card für die ganz dicken Geldbeutel". Da schlage ich den Bogen nochmal zurück und frage mal ganz polemisch, welche Art von Kultur Sie denn meinen? Sie wissen schon: Angebot und Nachfrage * ich werd's nicht nochmal erläutern. Übrigens: Wenn die Steuern schon nicht sinken, dann werden sie möglicherweise nicht oder nur geringer erhöht.
Kultureinrichtungen als weiche Standortfaktoren für die Ansiedlung von Unternehmen * dieses Argument ist nicht ganz neu, obgleich schwierig zu belegen. Es mag jedoch etwas dran sein. Aber ob BWM, zum Beispiel, Leipzig wegen seiner Kultur vorzog* Vielleicht. Wie auch immer: Liberalisierung ist grundsätzlich im Komplex zu betrachten, wobei Kultur nur einen von vielen Aspekten darstellt. Der Wirtschaft kann ein liberales, weltoffenes Deutschland nur recht sein. Und wenn Sie *zahlreiche Veranstaltungen gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit" organisiert haben, ist das löblich. Dagegen hat doch keiner was (außer dem Nazidreck vielleicht).
Sehr schmunzeln musste ich über Ihren Vorschlag, dass ich lieber Anzeigen akquirieren soll. Ich habe da noch eine andere Idee: Wir beantragen einfach Fördermittel!
Mit freundlichen Grüßen
Stefan Krieg
PS: Ich bin übrigens in keiner Partie und stehe auch keiner nahe, falls Sie das jetzt denken sollten.