"I could eat a beer"
 

Das Stück:

I could eat a beer ist der Versuch, Gedanken auszudrücken, welche einem beim Slalomlauf durch Wohnungslose am Schulterblatt in den Sinn kommen: Wieso pumpt mich dieser Typ immer an, obwohl ich noch ärmer gekleidet bin als er? Warum fragt mich der Andere immer nach Kleingeld, um etwas zu Essen einzukaufen? Es gibt einen, der auf einer alten Tranportkarre eine Art Bahre für seinen Hund und seine persönlichen Dinge gebaut hat. Ihn sehe ich am meisten. Er hat eine Haltung, wenn er völlig ergeben um Kleingeld bettelt, die stark an diese Glubschaugen-Aschenputtel-Gemälde erinnert, die man bei Woolworths kaufen kann. Jeden Tag macht er, mit einer unfehlbaren Pünktlichkeit, zwei- oder dreimal seine Kneipentour durch das Schanzenviertel. ..
Charlotte ist eine Frau, die ihr Geld mit Akkordeonspielen in Altona oder am Hauptbahnhof verdient. Sie spielt erbärmlich schlecht. Allerdings vermengt sich die Art ihres Spiels, die verrauchte, whiskeyschwangere Stimme und ihre persönliche Überzeugung zu einem mitreißenden Schauspiel, was außer ihr wohl kaum ein Mensch zustande bringen würde. Ich frage mich, wo sie die Instrumente her hat?

"I could eat a beer" ist aus reiner Begeisterung am Thema entstanden. Elfmal am Tag angeschnorrt zu werden, macht neugierig. Es ist eine langsame Enthüllung eines Verbündnisses. Ist Argwohn über Humor. Oder Humor über Misstrauen? Egal. Wenn gelacht wird, wird gelacht.

" Icould eat a beer" hat keine offensichtliche "Message" und vertritt keinen moralisierenden Standpunkt. Vielmehr beschäftigt sich das Stück mit der täglichen Erfahrung der Menschen auf der Straße und unseren Eindrücken von ihnen und im Umgang mit ihnen. Die Musik schließt Aufnahmen von Orten, an denen sich Obdachlose aufhalten, mit ein und verwebt diese Stränge in einem Geflecht von Melodien und Rhythmen. Die Choreographie und Inszenierung nimmt konkrete Situationen und Eindrücke als Ausgangspunkte, um sich dann in präzisen Bewegungsabläufen weiter zu entwickeln.

Es wirken mit:

Tanz: Trinidad Martínez (Spanien)
Lifemusik: Dayton Allemann (USA)

Die Künstler:

Die Tänzerin Trinidad Martínez wurde 1974 in Cartagena geboren, besuchte die Escuela de Danza Internacional Carmen Roche in Madrid und schloss dann ihre Tanzausbildung mit einem Stipendium am Centre de Danse International Rosella Hightower in Cannes ab. Nach Stationen in Tanzkompanien am Jeune Ballet International R. Hightower à Cannes, dem Nationaltheater Mannheim und dem Theater der Stadt Hagen kam sie 1997 nach Hamburg und konnte bald ihre erste abendfüllende Choreographie beim "Junge Hunde Festival" auf Kampnagel zeigen. Sie lebt zur Zeit als freiberufliche Tänzerin in Hamburg und arbeitet an weiteren eigenen Choreographien. Bei ihrer Arbeit steht zunächst stets eine intensive Auseinandersetzung mit der Thematik im Vordergrund, um sodann Eindrücke, Aspekte und Perspektiven daraus zu extrahieren und um in Detailarbeit Bewegungsabläufe zu entwickeln, die fragmenthaft scheinen können, dabei jedoch immer in ihrer Reflexion auf anthropologische Wesenheiten verbunden bleiben.
Dayton Allemann, Komponist, geboren 1967 in Kalifornien, studierte Komposition bei Bern Herbolsheimer und Klavier bei Dr. Peter Mack am Cornish College of the Arts in Seattle. Nach Abschluss mit Auszeichnung kam er nach Deutschland und nahm an verschiedenen internationalen Klavierwettbewerben teil, arbeitete als Repetitor für Ballett, u. a. am Nationaltheater Mannheim und der Hamburgischen Staatsoper.. Gleichzeitig komponierte er zahlreiche Werke für Ballett, Schauspiel und Kammerensemble, z. B. die Musik zum Ballett "Der Seiltänzer" in Mannheim. Eine Mischung zwischen aufgenommenen, gesampelten Sounds und akustischen, rhythmisch geprägten Melodien in kontrapunktischen Zusammenhängen bildet den Schwerpunkt seines heutigen Schaffens. Oft steht er auch selbst als Interpret und Dirigent auf der Bühne.

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